Medical Consultants


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UNSERE PRAXIS

Unsere PraxisVor den Erfolg haben die Götter nicht nur den Schweiß gesetzt. Ein halbes Dutzend Blutproben zapft der Arzt Michael Spitzbart aus der Unterarmvene des Probanden - und findet eine überzeugende Begründung für den Aderlass: "Wenn Sie nächstes Jahr einen Marathon unter vier Stunden laufen wollen, muss ich Sie gründlich durchchecken."
Wer die Designerpraxis des Präventivmediziners im Norden Nürnbergs besucht, kann aus einem umfangreichen Katalog wählen: "Blutmenü", orthopädische Analyse und Fitnesstest auf dem Spiroergometer zeichnen laut Spitzbart ein "plastisches Bild über die Leistungsfähigkeit Ihres Körpers". Derart ausgefeilte Check-ups waren bislang Leistungssportlern vorbehalten.
Jetzt bieten viele Sportärzte auch ambitionierten Freizeitathleten den Luxus eines individuellen Trainingskonzepts.
Hauptsache fit: Wie wichtig den Deutschen ein leistungsoptimierter und von Problemzonen befreiter Körper ist, belegt eine Umfrage der Fachzeitschrift "Apotheken-Umschau". Der Wunsch gesund und fit zu bleiben, war über 75 Prozent der Bundesbürger wichtiger als eine erfüllte Partnerschaft (49,2 Prozent) und finanzielle Unabhängigkeit (29,5 Prozent).
Unsere Praxis
Unser tief verankertes Verlangen nach ewiger Gesundheit ist am ehesten mit körperlicher Ertüchtigung zu befriedigen. Nicht nur Herz, Kreislauf, Stoffwechsel und Muskeln profitieren von schweißtreibender Fortbewegung, sondern auch die Seele.

Wohlfühleffekt: Als gutes Antidepressivum erwies sich Ausdauertraining bei einer Untersuchung der FU Berlin. 30 Minuten täglich auf dem Laufband verbesserten bei jedem zweiten Depressionspatienten
schon nach wenigen Tagen das Befinden: Die Beschwerden nahmen um etwa 30 Prozent ab. i
Gehirnjogging: Sportliche Aktivität regt die grauen Zellen an. Das haben Forscher des Salk Institutes in La Jolla/Kalifornien entdeckt. Mäuse, die sich in einem Laufrad fit halten konnten, hatten nach einem Monat 15 Prozent mehr Nervenzellen in ihrem Gehirn als eine zur Faulheit verurteilte Vergleichsgruppe.
Wenig Aufwand, große Wirkung: Nach der Bostoner "Nurses' Health Study" an über 70 000 Krankenschwestern senkt schon Walking das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um 35 Prozent. Verzichteten die Frauen noch auf andere Negativfaktoren (Rauchen, Alkohol, ungesunde Ernährung), ergab sich sogar eine Risikoreduktion von 83 Prozent.
Fit bis ins Alter: Mehr als 200 Studien an über fünf Millionen Menschen zeigten, dass durch regelmäßige Bewegung das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, drastisch absinkt. "Je nach Studie zwischen 37 und 50 Prozent", ermittelte Wolfram Pfeiffer vom IAS (Institut für Arbeits- und Sozialhygiene Stiftung).
Nichtstun ist offenbar so gefährlich wie Zigarettenrauchen, fand Steven Blair vom Cooper Institute in Dallas heraus. Danach birgt mangelnde Fitness ein eineinhalbmal höheres Risiko für das Herz-und-Kreislauf-System als moderater Nikotinkonsum. Selbst als nicht rauchende Bewegungsmuffel.
"Eigentlich sollte Bewegung für jeden zur Pflicht werden", findet Walter Tokarski, Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln. Mindestens 20 Milliarden Mark pro Jahr könnte das deutsche Gesundheitswesen sparen, wenn so viel Sport getrieben würde, dass ein Großteil der chronischen Erkrankungen (Diabetes, Osteoporose, Gefäß- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen) vermieden würden. So das Ergebnis einer Untersuchung von Karl Lauterbach, Institut für Gesundheitsökonomie der Universität zu Köln.

In Wirklichkeit tun sich die meisten aber schwer, den Absprung von der Lethargiecouch zu schaffen. Bei einer Umfrage des Forschungsinstituts Sport und Markt im vergangenen November gab immerhin ein Drittel der Deutschen an, "nie oder fast nie" Sport zu treiben. Und ein Gesundheitscheck der Karlsruher IAS-Stiftung bescheinigte 930 Führungskräften zwar günstige Cholesterinwerte, ein vernünftiges Trinkverhalten und niedrigen Zigarettenkonsum; in puncto Fitness kassierten die Top-Leader aber schlechte Noten. 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen lagen bei einem Belastungs-EKG unter der durchschnittlichen Leistungsfähigkeit.

Der Mensch als Bewegungstier: "Seit Zehntausenden von Jahren haben wir uns täglich etwa zehn bis zwölf Stunden ausgiebig bewegt. In den vergangenen 50 Jahren gab es einen dramatischen Absturz, der sich im letzten Jahrzehnt noch einmal beschleunigt hat", beschreibt Hans-Georg Predel von der Sporthochschule Köln die sportliche Karriere des Homo sapiens. Die Menschen der postindustriellen Gesellschaft sind täglich bestenfalls 30 bis 40 Minuten aktiv. " Die Biologie hat nicht die Zeit gehabt, auf diese dramatische Veränderung zu reagieren", erklärt Predel.
Dass der morgendliche Liegestütz, der vierteljährliche Besuch im Squashcenter oder die Session Spinning (Strampeltortur auf dem Ergometer) nicht dem natürlichen Bewegungsbedürfnis entsprechen, leuchtet ein. "Es ist wichtig, dass wir unseren Körper vielfältig belasten. Am besten mit einer Mischung aus Krafttraining und Ausdauersport", empfiehlt Mediziner Spitzbart.

Quelle: FOCUS Nr.16 vom 14. April 2001








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