Nichtstun ist offenbar so gefährlich wie Zigarettenrauchen, fand Steven Blair vom Cooper Institute in Dallas heraus. Danach birgt mangelnde Fitness ein eineinhalbmal höheres Risiko für das Herz-und-Kreislauf-System als moderater Nikotinkonsum. Selbst als nicht rauchende Bewegungsmuffel.
"Eigentlich sollte Bewegung für jeden zur Pflicht werden", findet Walter Tokarski, Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln. Mindestens 20 Milliarden Mark pro Jahr könnte das deutsche Gesundheitswesen sparen, wenn so viel Sport getrieben würde, dass ein Großteil der chronischen Erkrankungen (Diabetes, Osteoporose, Gefäß- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen) vermieden würden. So das Ergebnis einer Untersuchung von Karl Lauterbach, Institut für Gesundheitsökonomie der Universität zu Köln.
In Wirklichkeit tun sich die meisten aber schwer, den Absprung von der Lethargiecouch zu schaffen. Bei einer Umfrage des Forschungsinstituts Sport und Markt im vergangenen November gab immerhin ein Drittel der Deutschen an, "nie oder fast nie" Sport zu treiben. Und ein Gesundheitscheck der Karlsruher IAS-Stiftung bescheinigte 930 Führungskräften zwar günstige Cholesterinwerte, ein vernünftiges Trinkverhalten und niedrigen Zigarettenkonsum; in puncto Fitness kassierten die Top-Leader aber schlechte Noten. 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen lagen bei einem Belastungs-EKG unter der durchschnittlichen Leistungsfähigkeit.
Der Mensch als Bewegungstier: "Seit Zehntausenden von Jahren haben wir uns täglich etwa zehn bis zwölf Stunden ausgiebig bewegt. In den vergangenen 50 Jahren gab es einen dramatischen Absturz, der sich im letzten Jahrzehnt noch einmal beschleunigt hat", beschreibt Hans-Georg Predel von der Sporthochschule Köln die sportliche Karriere des Homo sapiens. Die Menschen der postindustriellen Gesellschaft sind täglich bestenfalls 30 bis 40 Minuten aktiv. " Die Biologie hat nicht die Zeit gehabt, auf diese dramatische Veränderung zu reagieren", erklärt Predel.
Dass der morgendliche Liegestütz, der vierteljährliche Besuch im Squashcenter oder die Session Spinning (Strampeltortur auf dem Ergometer) nicht dem natürlichen Bewegungsbedürfnis entsprechen, leuchtet ein. "Es ist wichtig, dass wir unseren Körper vielfältig belasten. Am besten mit einer Mischung aus Krafttraining und Ausdauersport", empfiehlt Mediziner Spitzbart.
Quelle: FOCUS Nr.16 vom 14. April 2001
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